Anke's Erlebnis
Endlich habe ich die Work begriffen! Schon im Oktober 99 kam ich mit ihr in Beruehrung, sie faszinierte mich auch, aber neunmalklug, wie ich mich einschaetzte, hatte ich es natuerlich nicht noetig, sie schriftlich zu machen, sondern "drehte" immer nur ein bisschen im Kopf herum... und kam natuerlich nicht weiter.
Im Maerz 2000 ueberkam es mich dann eines morgens regelrecht, ich setzte mich an den Computer und tippte 4 Seiten Vorwuerfe, was ich mir bislang nicht gestattet hatte. Noch am selben Abend machte ich mit Moritz Boerner, Autor des Buches: "Byron Katies The Work - der einfache Weg zum befreiten Leben", telefonisch die Work. "Mir scheint, Du hast noch nicht oft die Work gemacht", vermutete er richtig. Denn die "Dreherei" im Kopf bringt (fast) gar nichts, ausser neuem Wissen, das aber das Herz nicht erreicht.
Moritz riet mir, wenn ich die Work allein mache, ein Diktiergeraet zu verwenden und seinen Teil der Work mitzuuebernehmen, indem ich mir die vier Fragen selbst stelle. Und ich stellte fest, dass es einen RIESEN-Unterschied macht, ob man nur denkt (da passiert am wenigsten), schreibt oder SPRICHT. Stereotyp fragte ich mich all die Fragen, wie ich mich dabei fuehle, wie ich die anderen oder mich selbst behandle usw. und suchte nach den Antworten in meinem HERZEN (da habe ich auch erst begriffen, dass die Arbeit Meditation ist).
Das erste Aha-Erlebnis hatte ich bereits am Telefon mit Moritz. Mein Vorwurf war an meine Mutter gerichtet, die mich, weil sie kochen musste, als Kleinkind im Laufstall hat schreien lassen, bis ich bewusstlos wurde. Moritz bat mich, meine Mutter ohne den Glaubenssatz, sondern nur mit dem Herzen zu sehen, und da sah ich einfach nur noch eine ueberforderte, unglueckliche Frau, die in jeder Minute ihres Lebens ihr Bestes gegeben hatte. Ich sah sie ploetzlich ganz ohne Vorwurf, sondern nur noch mit Liebe. Am naechsten Morgen machte ich dann allein mit meinem Diktiergeraet die Work ueber meinen Mann, und was ich da erlebte, war schlicht der Hammer: "Er haette mich mehr wahrnehmen sollen." hiess meine erste Behauptung, "Ich haette ihm wichtiger sein sollen. Er haette mehr Interesse an meiner Person, meinen Gefuehlen und Beduerfnissen haben sollen. Er haette liebevoller sein sollen. Er haette mich mehr lieben sollen. Er haette mich nicht so oft allein lassen sollen." hiessen weitere.
Ich ging dann konsequent alle Fragen durch, fragte mich, ob das wahr ist und wessen Angelegenheit das ist, und dann schaute ich nach, wie sich das ANFUEHLT. Und ich fuehlte ganz ganz viel, sogar koerperlich von Kloss im Hals bis Ring ums Herz. Und ich sah dadurch und durch das anschliessende Umdrehen nicht nur, wie allein ich mich selbst immer gelassen hatte, sondern auch, wie ich in Wahrheit meinen Mann behandelt hatte. Ich erkannte so glasklar, dass ich mich permanent in seinen Angelegenheiten aufgehalten hatte und ich mich nur deshalb so einsam gefuehlt hatte, weil ja keiner bei mir zu Hause war. Aus "er haette mich nicht so viel allein lassen sollen" wurde "ich haette mich nicht alleinlassen sollen" und ³ich haette IHN nicht alleinlassen sollenã, denn, indem ich ewig darauf rumgeritten war, was er zu tun und zu lassen hatte, habe ich ihn nicht eine Sekunde lang so wahrnehmen koennen, wie er WIRKLICH war. Und ich erkannte, dass, wenn ich bei mir geblieben waere, ich meinen Mann von dort aus haette besuchen koennen, in Liebe und Frieden, und dass er mir dann, nicht permanent von Vorwuerfen bombardiert, vermutlich auch die Liebe haette zeigen koennen, die ich mir so sehr gewuenscht hatte - denn gefuehlt hatte er sie ja immer.
"Er haette mich in den Arm nehmen sollen, wenn ich weinte", war ein weiterer Vorwurf. Als ich die Situation, um die es ging, mit dem Herzen betrachtete, da sah ich meinen Mann erstmals WIRKLICH, wie unsicher er war, wie ueberfordert und wie er aengstlich versucht hat, das alles zu verbergen ... wie sehr ER innerlich geweint hat und ich ihm anstatt Trost nur Vorwurf um Vorwurf um die Ohren gehauen habe. Innerlich sah ich uns dann ploetzlich gemeinsam weinen, uns gemeinsam in den Armen haltend und troestend und empfand ein Gefuehl von unendlicher Liebe. Der Unterpunkt der Frage 3 (wie reagiere ich, wenn ich an dieser Ueberzeugung festhalte?): Wie fuehlt sich das an? (leider im Umschlag des Buches nicht aufgefuehrt, aber auf der Web-Site von Moritz unter moritzboerner.de abrufbar) ist m.E. der Wichtigste ueberhaupt. Denn auch, als ich einen Tag spaeter die Work ueber eine Frau machte, die ich fuer arrogant und ueberheblich hielt und nachschaute, wie sich das anfuehlt, da WURDE ich ploetzlich klein und unsicher, verwandelte mich in ein kleines, abhaengiges Kind. Ich merkte, wie ich einen Schmollmund machte und die Stirn kraus zog und sogar trotzig mit dem Fuss aufstampfte. Keine Tiefenentspannung hat mir ein solches EMPFINDEN je moeglich gemacht. Und ich bin sicher, dass darin die Heilung liegt.
Und so kann ich die Work nur aus tiefstem Herzen weiterempfehlen, denn es war fuer mich so ueberwaeltigend zu sehen, wie ein vorwurfsvoller Gedanke mit allem, was dazu gehoert: Wut, Trauer, Schmerz, Stress, Hilflosigkeit etc., sich einfach in Luft aufloesen kann und stattdessen Raum schafft fuer ein Gefuehl unendlicher Liebe.