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Die 2. Lektion in Meisterschaft

Name: Maria Anna Schmitt
email: Maria.Schmitt[at]t-online.de

In letzter Zeit beschäftige ich mich mit den Büchern von Sabrina Fox, und versuchte mich im Erfahrungsprogramm mit wöchentlichen Lektionen in Meisterschaft. Gleich die zweite Aufgabe schien mir die Schwierigste zu sein. Es heißt unter anderem:

Diese Woche versuchen Sie - natuerlich nur, wenn Sie moechten - zwei mal zwanzig Minuten am Tag Gott zu widmen. In Stille.

Am nächsten Morgen setzte ich mich mit zwei brennenden Kerzen an den Tisch, entspannte mich und versuchte an Gott zu denken. Mir war aber klar dass Gott eine Abstraktion ist, eine für mein Hirn nicht erfassbare Größe, daß ich mir also keinerlei Vorstellung von ihm machen konnte. »Wie soll ich denn an dich denken, geschweige denn zu Dir beten wenn ich überhaupt keine Vorstellung von Dir habe. Es graut mir alleine schon vor der Theorie daß das All unendlich ist, daß die Galaxien immer weiter gehen und nie ein Ende in Sicht sein soll. Wie soll ich dann erst Gott begreifen können – wie soll ich ihn lieben können?« Es ging nicht in meinen Kopf. Ich schloss meine Meditation mit der Bitte um eine Antwort.

Ein oder 2 Tage später wachte ich Morgens auf und zog irgendein Buch aus dem kleinen Regal neben meinem Bett. Das mache ich öfter wenn ich zu früh aufwache. Dort habe ich immer meine Lieblingsbücher stehen. Ich schlug eine beliebige Seite auf und begann zu lesen:

Wenn Gott dem Menschen erscheint, dann wählt er als Hülle für Seine unbegreifliche Erhabenheit die Einfachheit der menschlichen Gestalt. Wenn Gott uns erscheint, dann kommt Er als der leidende Diener einer Menschheit, die auf ihr Verderben zuläuft. Im Alten Testament erscheint Er dem Adam, indem er im Paradiesgarten wandelt. Dem Abraham erscheint er als der geheimnisvolle Priesterkönig Melchiesedech. Die Juden erwarten Ihn als den König Messias. Im Neuen Testament erscheint Er als Jesus Christus. Er, den die Christen zum zweitenmal erwarten, ist derselbe, den die Juden zum erstenmal erwarten. Er erscheint als liebevoller einfacher Mann, der nicht anders aussieht als Adam selbst, das heißt die Menschheit. Und als Adam von dem verbotenen Baum gegessen hat, ruft Gott nicht etwa tobend und polternd: »Adam, wo bist du?« (Als ob er das nicht wüßte).

Als Jonas auf Gott wütend ist, weil Er Ninive nicht vernichtet hat, und er , Jonas, sich mit seinen Untergangspredigten lächerlich gemacht hat, sagt er leise: »Stimmt es wirklich, daß du böse bist?« Aber er sagt nicht: »Jonas, hör auf zu quengeln!« Oder denken Sie an Hiob, der zu Gott sagte: »Ich rufe Dich zum Gericht, damit du gegen Dich selbst bezeugst, daß Du mich ungerecht behandelt hast.« Und dann läßt Gott Hiob die Wunder seiner Schöpfung sehen. »Das ist unfair von Gott,« findet Jung, »Hiob hat keine Antwort erhalten«. Aber nicht doch: Hiob erhielt seine erste Ökologiestunde und erkannte, daß es viel größere Zusammenhänge gab, als er jemals wahrgenommen hatte, und daß seine kleinen Leiden auf wunderbare Weise in diese Zusammenhänge paßten.

Denken Sie an Abraham, der eine Art »Kuhandel« mit Gott anfing, um Sodom und Gomorrha vor dem Untergang zu retten. »Wenn auch nur fünfzig Gerechte in dieser Stadt sind, willst Du sie dann untergehen lassen? Doch sicher nicht?« Und Gott geht aus diesen Kuhandel ein. Abraham handelt bis auf zehn Gerechte hinunter. Vielleicht hat es Gott gerade Spaß gemacht, zu sehen, wie Abraham sich für diese beiden Städte einsetzte – so ähnlich, wie ein Vater an seinem Sohn Spaß haben kann. Ist es nicht profan, sich Gott in menschlicher Gestalt vorzustellen?

KEINESWEGS! GOTT ALS GESTALTLOSE ABSTRAKTION – DAS IST PROFAN. WENN WIR ALLE ENGELFÜRSTEN, ALL DIE PRACHT UND HERRLICHKEIT GESEHEN HABEN, STEHT DA NUR NOCH EIN MENSCH VOLLER LIEBE MIT AUSGEBREITETEN ARMEN.

Es ist zu einfach um wahr zusein. Es ist so simpel, so naiv. Vielleicht dachte Luzifer aus diesem Grunde, daß er Gott besser absetzen würde. Vielleicht fühlen sich deshalb viele Menschen von den nicht-biblischeen Religionen angezogen. Die spornen die Menschen wenigstens an, immer höher zu klettern, und sie versprechen ihm immer tiefere Einweihungen in immer größere Geheimnisse, die für das normale Volk nicht zugänglich sind. Und am Ende steht dann ein Gott, der nur noch abstraktes Licht ist, sozusagen ein Grinsen ohne Kater, um mit »Alice im Wunderland« zu sprechen. Wenn Sie diese Kindergeschichte nicht kennen: Alice sah einen großen grinsenden Kater auf einem Baum sitzen; dann verschwand er, und zurück blieb nur sein Grinsen.

Im Grunde ist Gott wenn er als einfacher Mann erscheint, auch eine ziemliche Beleidigung für all die eifrigen Kletterer. Stellen Sie sich jetzt vor, daß Sie hundert Leben lang die ungeheuerlichsten Entbehrungen auf sich genommen haben, um einen unendlich hohen Turm zum Himmel zu ersteigen. Im ersten Leben kaufen Sie sich von einem einfachen Pförtner eine Eintrittskarte zu diesem Turm, und dann steigen und steigen Sie nur noch. Und schließlich sind Sie in Ihrem hundertsten Leben oben angekommen. Sie öffnen das Paradiestor und sehen zu ihrer Freude einen großen Engel, der feierlich spricht: Ich werde Sie persönlich vor Gottes Angesicht bringen«. Und dann nimmt er Sie zu einem Teich mit, und an dessen Ufer, auf einer Bank, sitzt der einfache Pförtner, der Ihnen in Ihrem ersten Leben die Eintrittskarte verkauft hat. Sie denken: »Wie kommt denn der hierher? Das muß doch ein Irrtum sein!« Dann sagt der Pförtner zum Engel: »Danke, Gabriel, du kannst ihn jetzt mir überlassen«. Er wend et sich jetzt Ihnen zu und sagt freundlich: »Wo bist du denn so lange geblieben? Ich sitze hier schon neunundneunzig Leben und warte auf dich!«

Werden Sie sich dann nicht verulkt fühlen? Hatten Sie nicht etwas Höheres, Besseres, Würdigeres erwartet als diesen Pförtner? – nach all der Mühe? Wenn Sie so ein Kletterer sein sollten, dürfen Sie für einen einfachen menschlichen Gott nicht viel empfinden. Ich selbst bin kein Kletterer, denn ich kriege leicht Schwindelgefühle. Deshalb freue ich mich darüber, daß der himmlische Pförtner zu uns heruntergekommen ist und eine andere Route zum Paradies anbietet. Einen Weg für Menschen wie ich, mit wenig Heiligkeit und viel Höhenangst. Es ist für mich wirklich unmöglich, einen abstrakten Gott zu lieben. Ich kann ja auch nicht des Satz des Pythagoras lieben. Aber einen Gott, der in unbegreiflicher Bescheidenheit als Mensch erscheint, ja, Ihn kann ich sehr lieben. Ich glaube, daß wir den Satz, daß wir als Ebenbild Gottes geschaffen sind, viel wörtlicher nehmen dürfen, als es zumeist geschieht. Wenn wir tatsächlich als Sein Ebenbild geschaffen sind, dann sagt das nicht nur etwas über! ! uns, sondern auch über Ihn aus.

Es sagt uns, wie Er aussieht wenn wir Ihm bebegnen, und es erklärt auch, warum die meisten Himmlischen wie Menschen aussehen. Diese Menschengestalt ist Gottesgestalt. Welchen Weg Sie auch gehen, den der Kletterer oder den der Menschen mit Höhenangst: Schließlich, wenn Sie alle Großen des Himmels und der Erde passiert haben, kommen Sie nach einem oder hundert Leben bei der Einfachheit Gottes an, und dann stehen Sie vor der Wahl: Wollen Sie Ihm gleichen und in alle Ewigkeit enfach und dienend bleiben, oder wollen Sie dem Urvater aller gefallenen Engel ähnlich werden und im Reich der Verzweiflung einen hohen Platz einnehmen. Die Basis des Verhältnissen zwischen Schöpfer und Geschöpf ist der freie Wille. Deshalb nimmt Er uns gegenüber auch die einfache Form an. Wenn wir Ihn auch nur den Bruchteil einer Sekunde so sehen würden, wie Er von innen ist, dann wären wir im selben Augenblick von diesem Licht verzehrt. Für uns schwache Menschen ist Gottes M! ! enschwerdung ein unvorstellbarer Segen.

Da Gott auch eine Seite des »verzehrenden Feuers« hat, »bedeckt« Christus Gott. In Christus beschützt uns Gott vor sich selbst.

Aus dem Buch:
ENGEL – als Beschützer und Helfer des Menschen – Dr. med. H.C. Moolenburgh

Diese Erlebnis war für mich wieder mal eine Bestätigung dass wir oft in irgendeiner Form eine Antwort von Gott erhalten. Man muss nur darum bitten.

Viele liebe Grüsse an alle die auf der Suche sind, so wie ich.

Maria Anna Schmitt