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"Meine schönste und wahre Engelsgeschichte"

Daran erinnere ich mich manchmal, wenn ich sehr verzweifelt bin und nahe daran zu resignieren.

Ich war damals 19. Seit vier Jahren ausgezogen, hatte je zwei Jahre Altenpflegehelferin und Verkäuferin im Bioladen hinter mir. Die Verdienste dort waren nicht gerade hoch. Trotzdem war es mir gelungen etwas über 400.-DM anzusparen, die ich seinerzeit in einen Handwebstuhl anlegen wollte, da ich Weberin werden wollte. Doch ich verlieh das Geld an einen Mann, der sich später als Betrüger herausstellte und den ich vor Gericht wiedersah. Zu der Zeit war ich in einer meiner Krisen - wußte nicht so recht wie es weitergehen sollte. Innerlich beschäftigte mich mit dem Tod, dem Leben danach (Moody-Bücher) und auch mit der Macht des Denkens und des Unterbewußten. Ich hatte zu diesem letztenThema von einem bestimmten Seminar in der Schweiz erfahren, leider lag es finanziell ausserhalb meiner Reichweite. Aber der Wunsch danach ließ mich nicht los. Ich hatte zwar wieder Erspartes, mir fehlten jedoch noch 100.--DM Rest zu der Gebühr, der Hin und Rückweg, sowie die Unterkunft.

Es war an einem kalten Sonntagmorgen im Winter. Meine Holzöfen waren über Nacht ausgegangen, ich lag im Bett und las in einem Buch von E. Kübler-Ross. Darin kam auch das Wort Schutzengel vor und ich seufzte. Ach Schutzengerl, ja! Als ich klein war hatte man mir davon erzählt und in einer Phase - so mit ungefähr 6, so erinnerte ich mich plötzlich da bin ich in meinem Bett immer an den äußersten Rand gerutscht um Platz für den Engel zu machen. Der Gedanke, daß er vielleicht neben mir Platz nehmen könnte, tröstete mich damals. Dann fielen mir kleine Geschichten aus meiner Kindkeit ein. Einmal eine Mark die in einen Kanaldeckel gefallen war. Was für ein Fest, damit mit Freunden zum Kramerladen zu gehen.

Später 2 Mark vor einer Streukies-Kiste. Ja und da war die Geschichte als wir im Sommer beim Baden waren, ich tauchte in der Hoffnung am Grund des Sees einen Schatz zu finden. Etwas blinkte, ich griff danach und kam wieder an die Luft. In meiner Hand lag ein blitzblankes 5-Markstück, ich konnte damals mein Glück kaum fassen. All dies erzählte die 19jährige also morgens leise dem Schutzengel, mit Blick nach rechts oben an die Decke. Ach ja und dann, so fuhr sie fort:" Kannst Du dich erinnern an die Situation, so mit 17, mal wieder von heftigen Deppressionen niedergedrückt, hatte mich irgendwer auf einen Rummelplatz mitgenommen. Ich weiß noch, daß die Witterung feucht war und ich meinen Blick auf den Boden geheftet hatte, während meine Begleiter und ich unsrere Schritte zu einem Auto-Scooter lenkten. Um die Fläche herum, auf der die Fahrzeuge sich bewegen, ist immer so eine Art erhöhter Rahmen auf dem die Zuschauer stehen, Musik hören, träumen, flirten, oder auch nur auf den Beginn der nächste Runde warten. Zu diesem Rahmen führten 2 Stufen. Und weil ich meinen Blick so auf den Boden gerichtet hatte, sah ich - im Gegensatz zu meinen Begleitern, den feuchten zerknitterten 20Mark-Schein. Daran erinnerte ich meinen Schutzengel. Ich seufzte wieder:" Feuchte, zerknitterte 100 Mark - das wärs, ich möchte so gerne zu diesem Seminar in der Schweiz. Oh bitte, Schutzengerl." Draußen war alles weiß, über Nacht war reichlich Schnee gefallen. Langsam war ich trotz Bettdecke ausgekühlt. 8°C hatte die Wohnung, an dem Tag keine Eisblumen am Fenster, ich weiß das noch genau.

Es gab eine Verabredung mit einem Bekannten. Zum Baden, denn meine Wohnung hatte nur eine schlichte Dusche. Ich liebäugelte mit dem Gedanken abzusagen, gab mir in Hinblick auf's Disziplin-üben aber einen Ruck und machte mich auf den Weg. Der Hof war verschneit, beim Hoftor im Vorderhaus gab es eine Schneewehe. Mit meinem Fahrrad an der Seite schlürfte ich drauf zu. Da lagen - in diesem Schnee- feuchte, zerknitterte 100 Mark. Ich war absolut wie vom Donner gerührt, dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Ich weiß noch, daß ich es erst garnicht glauben wollte und mit halbgeschlossenen Augen danach griff. Als ich den Schein wirklich in meiner Hand hatte schaute ich wieder nach oben und sagte zutiefst berührt: Danke Schutzengerl!

Ich steckte das Geld in meine Tasche und radelte zu Christian. :"Stell Dir vor was mir passiert ist... !" Das Geld war immer noch in meiner Hosentasche, ich hatte mir nichts eingeblidet. Ich war perplex und aufgewühlt. Als ich in seiner Badewanne lag und auch später noch, habe ich dieses Ergeignis von vorne bis hinten durchdacht und versucht zu erklären. Es gab nie jemanden der über verlorenes Geld geklagt hätte, der Schein war tatsächlich feucht und zerknittert... Ich konnte es drehen und wenden wie ich wollte - bis heute. So eine promte Gebetserfüllung habe ich bisher nicht wieder erlebt. Etliche schöne - andersartige, aber nie wieder so etwas. Mein Seminar fand statt! Ein Bekannter, der nachts als Zeitungskurier die Süddeutsche nach Zürich fuhr, nahm mich mit, und über meine beste Freundin fand ich einen privaten Schlafplatz. Es gab in den Jahren danach noch Situationen wo ich an die Engel dachte und in schwierigen Situationen Ruhe, Kraft oder Geborgenheit empfand. Aber diese Art Erlebnis blieb einzigartig. Wie gesagt, das gibt mir Hoffnung wenn ich mal wieder in einer Krise nach den nächsten Schritten suche.

Beate