Über das Kapitel Lügen
Das Kapitel Luegen in "Die Sehnsucht unserer Seele" habe ich mir naeher angesehen. Es war mir nicht fremd, habe ich mich doch zum einen frueher einmal in einer ueberkonfessionellen Vereinigung von Christen versucht, die Luegen strikt ablehnten (ich suchte schon lange nach Gott), zum anderen bekam ich beim Luegen immer einen dermassen roten Kopf, dass ich es schon aus rein praktischen Erwaeggruenden unterliess. Ausserdem war ich das Ueberlegen satt, wem ich was wann und wie gesagt hatte und die permanente Angst, mich dadurch zu verzetteln.
Wenn Du andere beluegst, beluegst Du Dich unterm Strich selbst, hatte mir irgendjemand einmal gesagt. Ich sah das auch ein, doch die Notluegen blieben. Nachdem ich mich, durch Sabrinas Buch dazu angeregt, wieder mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, stellte ich fest, dass ich nur noch dann log, dann aber konsequenterweise immer, wenn ich mich nicht TRAUTE, die Wahrheit zu sagen. Ob ich augenrollenderweise in einem Gespraech sass, das ich gar nicht wollte, aber totales Interesse am Gesagten heuchelte oder ob ich Einladungen ablehnte mit der Begruendung, angeblich anderweitig verabredet zu sein - ich log. Ich log, weil ich Angst hatte, die anderen koennten schlecht von mir denken oder ueber mich reden, koennten mich vielleicht nicht mehr moegen, ich koennte sie verlieren. - Uralte Verlustaengste kamen da zutage nach dem Motto: Wenn ich die Wahrheit sage, dann hat er/sie mich nicht mehr lieb.
Mitte November wurde ich von einer weitlaeufigen Bekannten zu einer Geburtstagsparty eingeladen. Ich sagte, dass ich noch nicht wisse, ob ich Zeite haette, denn u.U. haette ich etwas vor. Noch waehrend des Telefonates schaute ich im Terminkalender nach und stellte fest, dass mein Termin einen Tag frueher als die Party war, ich also eigentlich Zeit haette. - Damit begann ein innerer Kampf, der eigentlich, rational gesehen, wegen einer solchen Bagatelle voellig unnoetig war, aber ich bekam die Wahrheit beim besten Willen nicht ueber die Lippen. Als ich dann den Rueckruf versprechen sollte, um definitiv zu- oder abzusagen, da erst schaffte ich es zu sagen: Ich habe gerade nachgesehen, ich koennte an dem Tag, aber ich moechte nicht.
Mein Puls und Blutdruck befanden sich vermutlich in schwindelnden Hoehen, innerlich wappnete ich mich schon gegen eine Kanonade von Vorwuerfen, doch die Bekannte reagierte vollkommen verstaendnisvoll und lieb. Das hat mir wieder einmal gezeigt, dass, wenn man die Wahrheit reinen Herzens sagt, sie in der Regel auch akzeptiert wird.