Vom Wissen zum Machen
Kommentar: Anfang November schrieb ich ein mail an Sabrina, das sie mir zu meinem grossen Erstaunen prompt beantwortete. Ganz geruehrt, dass sie sich sofort gemeldet hatte, schrieb ich ihr ein langes mail, in dem ich mich so schilderte, wie ich mich selbst sah: fehlerbeladen und unfaehig, mein Leben in die Reihe zu kriegen !!!
Ich bin nicht eben ein Ausbund an Selbstsicherheit, und so begann eine zweiwoechige Zitterpartie und mit taeglicher Enttaeuschung, wenn ich die mailbox oeffnete und wieder keine Nachricht von Sabrina da war. Was mochte sie jetzt bloss von mir denken, nachdem ich ihr all die furchtbaren Dinge ueber mich mitgeteilt hatte (zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass sie besagtes mail nie erhalten hatte).
Waehrend dieser Zitterpartie jedoch fiel mir mehr und mehr auf, dass Sabrina fuer mich noch die falsche Busverbindung war, ich musste erst noch einmal umsteigen, um in ihren Bus einsteigen zu koennen.
Wenn es um neue Ideen und deren Umsetzung geht, dann bin ich verdammt schnell, oft so schnell, dass ich auf der Ueberholspur an mir vorbeirausche und mich dann im Strassengraben wiederfinde.
Und so erging es mir auch mit vielem spirituellem Gedankengut, das ich per Kopf konsumierte, ohne es im Herzen zu verinnerlichen. Ausgestattet mit einem spirituellen Heiligenschein verurteilte ich natuerlich niemanden mehr, wertete nicht, schimpfte nicht, projizierte nicht... aber leider nur mit dem Kopf. Die dazugehoerigen Gefuehle habe ich der Einfachheit halber komplett verdraengt und muss mich nun eigentlich gar nicht wundern, dass ich mich wie eine wandelnde Zeitbombe fuehlte. Ich sah mich immer, wie in einem Bildnis, das ein Bekannter mir einmal erzaehlt hatte: Meine Gefuehle waren angestaut hinter einer riesigen Staumauer. Ich stand winzigklein davor, schaute empor und dachte nur: Hoffentlich haelt die.³ Keinen Tropfen Wasser liess ich durch, so dass das Land um mich herum mehr und mehr verdorrte, doch je dringender es wurde zu fuehlen und die vertrocknete Erde zu bewaessern, desto mehr Angst bekam ich und packte immer weitere Steine auf die Mauer, um sie zu stabilisier en. Meine Ueberlebensstrategie hiess: Kontrolle.
Was einen selbst angeht, da ist man ja ganz gern betriebsblind. Ich habe mich fuer wer weiss wie spirituell gehalten, als ich mich huldvoll laechelnd mit den Obdachlosen am Baggerloch unterhielt und habe mir allen Ernstes eingebildet, ich wuerde sie durch Gottes Augen anschauen. Doch gluecklicherweise merkte ich hier dann doch relativ schnell, dass es Lippenbekenntnisse waren, die ich von mir gab, wenn ich vorgab demuetig, vertrauensvoll, zu jedermann liebevoll usw. zu sein. Hier begriff ich auch, dass die Zeit, Sabrinas Bus zu besteigen, noch nicht reif war.
Mein Bus kam in Form von drei voneinander voellig unabhaengigen Anrufen, die sich aber perfekt ergaenzten. Die ersten beiden fuehrten mir ein altes Muster vor Augen, an dem ich immer noch festhielt, der dritte brachte die Loesung: Eine Bekannte rief an, die im Mai d.J. Byron Katie kennenlernte und recht fit in “The Work³ ist (www.thework.org). Es ergab sich, dass wir am Telefon die Work machten, und ich konnte erstmals erleben, wie mich ein Gedanke, ein Muster losliess. Daraufhin fuhr ich zu der Bekannten und wir machten wieder The Work, und am Tag darauf, da war es, als ob der Damm einen dicken Riss bekommen hatte, und endlich kamen wieder Gefuehle an die Oberflaeche. Ich war einen ganzen Tag voellig daneben, habe Rotz und Wasser geheult, aber auch die Heilung gespuert, die da anfing zu wirken.
Ich bin sicher, dass dies passieren musste, damit ich an Sabrinas Workshop mit dem Herzen und nicht nur mit dem Kopf teilnehmen kann.
Einiges von dem, was Sabrina in ihrem Buch schreibt, habe ich selbst als Kopfmensch umsetzen koennen. So habe ich z.B. herausgefunden, dass mir diese Horrormeldungen - da jemand erstochen, da jemand vergewaltigt, hier ein Erdbeben, dort eine Ueberschwemmung - nicht guttaten und habe aufgehoert, ueber solche Dinge zu lesen oder sie mir anzusehen, trotz des unangenehmen Gefuehls, nicht informiert zu sein (das Krimi- oder Thriller-Sehen habe ich mir im Vorfeld schon abgewoehnt, nachdem ich die spannenden Szenen ohnehin mit einem Kissen vor dem Gesicht, verpasst hatte).
Aber am meisten Spass hatte ich aber mir der Umsetzung des Kapitels Muell: Ein paar Tage, nachdem ich das vermeintlich verhaengnisvolle mail abgeschickt hatte, zog ich zum ersten Mal zum Muell-Einsammeln los und sammelte eine grosse Tuete voll. Ich war ganz stolz auf mich, dass ich mich dazu aufgerafft hatte und glaubte, mein Soll erst einmal erfuellt zu haben. Tags drauf wollte ich, bewaffnet mit einem Buch, mit dem Hund zum nahegelegenen Baggerloch gehen und lesen. Als ich die ersten Abfaelle sah, da war ich heilfroh, keine Tuete dabeizuhaben, denn Muell aufzusammeln, darauf hatte ich nun gar keine Lust. Weil es kalt war, tat ich meine Haende in die Jackentaschen und fand darin zu meinem Entsetzen zwei Muellbeutel, die ich vom Vortag einstecken hatte, um fuer den Fall, dass es regnete, die Laternen der Kinder beim St.-Martins-Zug zu schuetzen.
Also Buch in die Tasche rein, Muell-Tueten aus der Tasche raus, und los ging's. Und irgendwie war es richtig schoen. Ich sammelte und sammelte, und als der zweite Beutel voll war, da war ich dann doch erleichtert und dachte: “Lieber Gott, bitte schicke mir nicht noch einen dritten Beutel.³. Doch ich bekam nicht nur diesen, sondern auch noch den Gedanken: "Du kannst ja die Beutel in dem (nahegelegenen) Container ausschuetten, dann hast Du immer genuegend Beutel zur Verfuegung.³ Ich war schockiert, denn ich hatte ich mir meine Begegnung mit Gott keinesfalls als Muellmann vorgestellt, aber ich folgte dem, was mir meine innere Stimme gesagt hatte. Doch gluecklicherweise musste ich nicht mehr viel einsammeln, und nachdem ich noch ein Unterhemd, diverse Bierdosen und -flaschen, eine benutzte Slipeinlage (!) und auch noch eine verbeulte Stossstange zum Container geschleppt hatte, war endlich aufgeraeumt.
Und ich fuehlte mich wundervoll. Und nicht nur ich, selten habe ich meine Huendin derart ausgelassen und voller Lebensfreude herumtollen sehen. Selbst eine Erzfeindin von ihr wurde schwanzwedelnd begruesst. - Gelesen habe ich uebrigens nicht mehr, es ging mir auch so fantastisch.
Sabrina: "Ich selbst habe erst vor kurzem von Katie Byron gehört und mache sehr begeistert "the work". Ich habe viel davon gelernt. Es gibt ein Buch von Moritz Boerner vom Goldmann Verlag das ich sehr gerne empfehle.
Licht und Liebe. Sabrina"